Hallo Barfuss
Ein paar Infos vorneweg. Flash mein Araber bewegst sich pro Nacht beim grasen auf unserer Koppel bis zu 26 km weit. Gemessen mit GPS. Trainierte Distanzpferde gehen bis zu 160 km pro Tag. Wir schaffen mit unseren Pferden bis zu 240 km in 3 Tagen. 1500 Lkm in 28 Tagen. Unsere Pferde sind keine Ausnahmepferde. Sie sind nur gut konditioniert und leben in einem Offenstall.
Es gibt grundsätzlich zwei Sorten von Pferden. Bodybuilder, dazu gehören z.B. Haflinger, Freiberger, Quarters und andere eher schwerer gebaute Pferde, deren Muskelfaser auf kurzfristig hohe Leistung (Kraft) ausgelegt sind. Die andere Gruppe sind die Marathonläufer, (Araber, Trakener, Traber) deren Muskelfasern auf lange Ausdauer-Arbeit ausgelegt sind.
Das mal vorne weg. Wenn ich ein Pferd mit Bodybuildereigenschaften habe, tue ich mich mit dem Trainieren auf die Distanz schwerer, als wenn ich einen Marathonläufer habe. Das Training selber ist für beide Gruppen letztendlich gleich. Auf der anderen Seite fällt dafür dem Distanzer das Klettern im Gebirge schwerer und hier ist das Training für ihn anstrengender.
Um das Pferd für einen Wanderritt fit zu bekommen gilt es zwei Bereiche zu trainieren. Zum einen den physichen Bereich, zum anderen den mentalen oder psychischen Bereich.
Zum physichen Bereich:
Im Offenstall gehaltende und gesunde Pferde (>5 Jahre) sind problemlos in der Lage 2 x 25 km Tagesirtte ohne besonderes Training zu machen. Meine Erfahrung ist, dass nicht alle Reiter das so problemlos wegstecken. Deshalb ist es wichtig, dass vorallem die Reiter sich trainieren, um diese und grössere Distanzen verkraften zu können. Denn wenn die Reiter vorzeitig müde werden, fangen sie an das Pferd zu belasten und dieses ermüdet dann ebenso vorzeitig.
Es gilt: Es sind die kg, die ein Pferd müde machen, nicht die km.
Der Mentale Bereich.
Pferde ermüden viel schneller mental als physisch. Das heisst, (dass abhängig vom Pferd) die Eindrücke und furchteinflössenden Dinge, die das Pferd auf einer solchen Tour verarbeiten muss, das junge und unerfahrene Pferd viel stärker belasten (bis zur Kolik) als die physiche Bealstung von 25 km. Deshalb ist das mentale Training im Anfang fast der wichtigere Faktor, als das physische Training.
Mentales Training:
Ich suche für mein Pferd die Herausforderung. Von Anfang an lernt er mit Blachen, Flatterbändern etc. Glocken, Seilen und Bändern, Holzbrettern und Balken zurecht zu kommen. Jedes Ding, wo vor er scheut, wird er zusammen mit mir und unter meiner Anleitung inspizieren. Und zwar so, dass er es mit beiden Augen betrachten kann. Dazu reite ich so oft ich kann, zum Bauernhof rauf, um ihn mit Schweinen, Kühen, Hühnern und Hunden etc. zu konfrontieren. Schiessanlagen, Windkrafträder, Kirmesveranstaltungen, Traktoren oder Bagger, Lokomotiven, LKW s, Bahnschranken, die irgendwo tätig sind, sind anzureitende Ziele, um mein Pferd daran zu gewöhnen. Bachläufe, schmale Stege, Treppen, Kieshalden in Kiesgruben, Tunnels und Ueberführungen etc. Bäume im Wald können bei jedem Ausritt genutzt werden, um ihn mental auf den Wanderritt vor zu bereiten.
Physisches Training:
Ich habe das Glück dass hinter meinem Hof ein Berg mit 400 Hm liegt, auf den ich in 45 min Trab hinauf reiten kann. Wenn mein Pferd die ganze Strecke hinauf getrabt ist, (8 km) und oben nicht schwitzt, ist er fit...Wenn ich nebenher laufen kann, und oben ebenfalls nicht schwitzend ankomme, bin ich es auch.

Mein Pferd Araber wiegt 480 kg, ich wiege 87 und mit vollem Gepäck sind wir bei etwas über 120 kg.
Aufbautraining: 3 x die Woche
Wir gingen im Schirtt den Berg hoch und haben nach 10 min. eine kurze Trabstrecke von 3-4 Minuten eingelegt. Die Trabphasen wurden jedesmal um 1 minute verlängert. Nach 3 Monaten sind wir die ganze Strecke hochgetrabt. Dies Kondition war nach 2 Jahren gefestigt, so dass wir im Frühjahr des dritten Jahres in ca. 1 Woche dieses Ziel wieder erreicht hatten.
Im flachen Land, braucht das ganze natürlich etwas mehr Zeit, dafür kann man sicherlich die Trabphasen von anfang an länger machen und nach 10 Minuten 5 MInuten traben, und diese dann verlängern. Dabei gilt es das Lungenvolumen zu stärken, den Herzmuskel zu trainieren. Voraussetzung dazu ist natürlich, dass das Pferd gut gymnastiziert ist, den Reiter richtig in einer guten Selbsthaltung trägt und dass der Sattel passt.
Inzwischen ist Flash 21 Jahr alt und ich merke, dass er heute länger braucht, um sich zu regenerieren als früher und deshalb treten wir jetzt etwas kürzer und machen nur noch soviel wie ihm auch richtig Spass machem. ZB. 75 km im Schwarzwald, 1 Tag Pause und wieder 75 km zurück. Dazu ist zu sagen, dass Flash und Pachlavan am Knotenhalfter laufen, wir ihnen den Zügel hingeben und sie selber sowohl das Tempo wie auch die Gangart bestimmen. Wir können dann einfach entspannt geniessen.
Gruss
Alpentrekker